Verfasst von: newloki | 5 August, 2008

Der Wert des Menschen

Kann man einen Menschen auf seinen Wert reduzieren? Wird er so nicht zu einer Zahl degradiert?

Wenn man sich die private Wirtschaft ansieht, dann soll man einen Menschen sogar auf einige wenige Daten reduzieren, oder wie sonst ist es zu erklären, das man lieber einen Abiturienten ausbildet, der keinerlei praktische Fähigkeiten besitzt und einen Realschüler, der Handwerklich unter Umständen viel begabter ist, im Regen stehen lässt.

Ein Hauptschüler braucht sich auf die meisten Ausbildungsplätze noch nicht einmal bewerben, den sein Zeugnis wandert, obwohl er vielleicht sogar alle Qualifikationen hat, ungelesen zu den Ablehnungen.

Heute zählt nicht mehr, was ein Mensch kann, sondern nur, was ein Mensch für Abschlüsse hat und für Beziehungen, oder wie sonst ist es erklärlich, das so viele Menschen studieren, die einfach nicht die nötigen geistigen Fähigkeiten haben.

Mir wird es regelmäßig Übel, wenn ich mit Studenten der verschiedenen Fachrichtungen spreche, die zum Teil nicht einmal einfache Grundlagen parat haben, die sich selbst mir als Schüler erschließen. Besonders kritisch sehe ich hier das Fach Informatik, wo viele Studenten nicht einmal die simpelsten Computergrundlagen verstehen und trotzdem versuchen sich durch das Studium zu schummeln.

Doch wie ist das, wenn man ein Studium dann geschaft hat, obwohl man eigentlich nichts Verstanden hat? Dann hat man halt kurz vor der Prüfung noch einmal den ganzen Unterrichtsstoff auswendig gelernt und im wahrsten Sinne des Wortes auf das Papier gekotzt. Diese Praktik wird sogar von den Prüfern gefördert, so lernt man für die Prüfungen weniger große Zusammenhänge, als viel mehr verschiedene Fakten, die man eigentlich auch Nachschlagen könnte.

Und solche Leute, voll gestopft mit auswendig gelernten Wissen, jedoch ohne großes Verständnis der Zusammenhänge, kommen dann in die Wirtschaft, an die Positionen, wo man etwas bewegen kann, weil sie eben einen höherwertigen Abschluss vorweisen können, und ihre Arbeit als Zahnrad im großen Firmengetriebe, jedoch wieder ohne den berühmten Blick über den Tellerrand hinaus, den diesen haben sie ja nie erlernt. Leute die nur einen Teil des Betriebes überblicken, treffen Entscheidungen, die für die ganze Firma gelten, ohne jedoch die Fachspezifischen Berreiche genau zu kennen und natürlich ohne die praktischen Folgen ihrer Entscheidung überblicken zu können.

Ein Beispiel hierfür ist unsere tolle Regierung. Hat den irgendeiner der Minister je in dem Fachgebiet gearbeitet, über welches er nun Entscheidungen trifft? Nein. Ulla Schmidt, ihres Zeichens Gesundheitsministerin, trifft Entscheidungen über das Gesundheitssystem in Deutschland, ohne jemals in diesem Fachgebiet gearbeitet zu haben, sie selbst hat als Lehrrerin für lernbehinderte Kinder gearbeitet. Doch wie kann nun jemand, der in einem Fachgebiet niemals tätig war für dieses die richtigen Entscheidungen treffen? Wie kann so jemand die eventuelle auftretenden Probleme vorraussehen?

Ganz einfach, er kann es nicht, weil ihm die praktische Kenntnis des Faches fehlt. Wäre es da nicht in an der Zeit um zu denken? Wie wäre es, wenn nur noch diejenigen auf entscheidende Posten dürften, die auch praktische Erfahrung für dieses Fachgebiet haben? Ok, wir müsste wahrscheinlich eine komplett neue Regierung aufstellen, aber diese könnte dann Entscheidungen aus der Erfahrung herraus treffen und nicht nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Ich meine ein Engländer, der kein Deutsch spricht, wird doch auch nicht angestellt als Deutschlehrer. Doch davon sind sowohl Regierung als auch Wirtschaft Meilenweit entfernt, ist ja auch schwer umzusetzte, dann müsste man auch Bewerbungen lesen, von Leuten, die unter Umständen kein Abitur habe, dafür aber Erfahrung und Wissen in ihrem Fachgebiet, welcher Personalchef macht sich schon so eine Mühe? Das ist ja fast so, als würde man verlangen, das der Personalchef bei Bewerbunggesprächen auch darauf achtet, das der Bewerber in das Betriebsklima passt.

Fals Irgendwer sich mit diesem Artikel persönlich angegriffen fühlen sollte, rate ich diesem einfach einmal darüber Nachzudenken, ob meine Meinung nicht vielleicht ein Körnchen Wahrheit enthält. Wenn er selbst dann noch der Meinung ist, das dieser Artikel völlig überzogen ist, dann möge er doch bitte einen Kommentar schreiben.


Antworten

  1. Die Qualität der deutschen Schulabschlüsse folgt bereits seit einiger Zeit einem negativen Trend. Es gibt eine große Schere des Bildungsstandes zwischen den einzelnen Ländern, sogar zwischen einzelnen Schulen innerhalb des gleichen Landes. Damit ist von vergleichbaren Abschlüssen nicht die Rede und die Noten sind alles andere als Absolut.
    Auf dem Gymnasium schaffen somit viele den Abschluss, obwohl sie die nötige Leistung nicht erbringen und eher der Realschule zuzuordnen wären, oder gar der Hauptschule. Der Umkehrschluss, dass viele der Hauptschulbesucher höhere Leistungen erbringen ist bis auf Ausnahmen meiner Meinung nach nicht möglich. Die Situation an solchen Schulen ist beängstigend. Wenn ein solches Zeugnis nicht voller “sehr gut” Noten ist, würde ich es auch direkt zu den Absagen legen.

  2. Ich möchte dir natürlich nicht wiedersprechen, was die “Bildungslücke” zwischen den verschiedenen Schulen angeht, ich bekomme dies ja selber mit, wenn andere Schüler mir erzählen, was sie lernen, bzw. nicht lernen.
    Mit der qualifikation von Hauptschülern meinte ich weniger die Bildung als viel mehr das handwerkliche Geschick, welches viele Menschen, die eben keine Intelligenzbestien sind besitzen.
    Das beste Beispiel ist ein Mensch, den ich vor kurzem kennen lernen durfte, dieser arbeitet als Altenpfleger und dies mit hingabe, hat aber nur einen sehr schlechten Realschulabschluss.
    Ich denke einfach das die meisten Personalchefs viel zu schnell über Bewerben urteilen, dies aber meist nur an den Noten fest machen.
    Mein eigener Vater zum Beispiel hat das Abitur gerade so bestanden, nie eine Uni von innen gesehen, kann jedoch trotzdem jedem Kunstgeschichtler ohne Probleme das Wasser reichen.

    Nur weil ein Mensch vielleicht nie die Chance bekommen hat, einen “besseren” Schulabschluss zu machen, heisst das doch noch lange nicht, das derjenige nicht Arbeitsfähig ist, oder nur als Bauarbeiter, obwohl selbst dies ein ehrbarer Beruf ist, arbeiten sollte.

    Doch warum werden fast nur noch Abiturienten für Ausbildungsplätze angenommen? Das liegt hauptsächlich an der vollkommen degenerierten Bildungpolitik, in der es wichtiger ist ein Abitur vorweisen zu können, anstatt wirklich selber Denken zu können, aber vielleicht ist dies ja auch Absicht, den ein selbständig denkender Mensch ist viel schwerer zu Kontrollieren und wehrt sich gegebenenfalls gegen ein Gesetz, welches ihm nicht passt.

  3. Ein Mensch lässt sich in seiner Gesamtheit und seinem Wesen nicht komplett durch Zahlen ausdrücken. Genau hier ist eine Differenzierung notwendig zwischen Akademikern und Handwerkern. Zwar brauchen auch die Handwerker eine gewisse Vernunft, aber mit der sollte jeder Mensch begabt sein. Es liegt also daran, was für Stellen gesucht werden und welche Verantwortung übernommen werden soll. Generell sollte man sich also nicht nur auf die Zahlen verlassen, sondern auf den Menschen als vernunftbegabtes Wesen in all seiner Komplexität.

  4. Eben das versuche ich mit meinem Artikel zum Ausdruck zu bringen, ich fände es viel sinnvoller, wenn man alle Bewerber zu einem persönliche Gespräch einlädt, in welchem man viel eher mitbekommt, ob der Bewerber für die Stelle geeignet ist oder nicht. Jedoch sollte dieses Gespräch ohne vorherrige Selektion stattfinden, den nur so haben auch Menschen mit einem “niedrigeren” Bildungabschluss die Chance ihr Fähigkeiten zu zeigen.

  5. [...] Abitur ersetzt werden, was die momentane verdummung der Gesselschaft nur vorrantreiben würde (dazu hier mehr). Die humanste und wie ich denke beste Lösung wäre es, den Hauptschulabschluss durch eine [...]


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